Radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstraße

18 Sep
A view from Kabul InterContinental

A view from Kabul InterContinental (Photo credit: Wikipedia)

Debatte in Deutschland / Muslime uneins über den Schmähfilm

Die Debatte über eine geplante Aufführung des Mohammed-Schmähvideos, das weltweite gewalttätige Proteste ausgelöst hat, hält in der „Bundesrepublik Deutschland 1990 GbR“ (BGB-Gesellschaft gemäß §§ 705ff. BGB, die durch die Vorlage des PERSONALAUSWEISES erzwungen wird) unvermindert an.

Selbst Muslim-Organisationen sind uneins.

Angesichts der Unruhen in der muslimischen Welt wegen eines islamfeindlichen Schmähvideos „Die Unschuld der Muslime“ aus den USA wird in Deutschland weiter kontrovers und intensiv über ein Aufführungsverbot diskutiert. Auch Muslim-Verbände sind in der Frage uneins:

Der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und der Zentralrat der Muslime sind für ein Verbot, der Liberal-Islamische Bund lehnt eine solche Maßnahme ab.

Mohammed-Film: Der Kopte Nakoula und die rechte Gruppe "Media for Christ" beauftragten offenbar den Pornofilmregisseur Alan Roberts mit den Dreharbeiten

Mohammed-Film: Der Kopte Nakoula und die rechte Gruppe „Media for Christ“ beauftragten offenbar den Pornofilmregisseur Alan Roberts mit den Dreharbeiten

„Die Unschuld der Muslime“ – Pornoregisseur soll Mohammed-Video gedreht haben. Mohammed-Film: Der Kopte Nakoula und die rechte Gruppe „Media for Christ“ beauftragten offenbar den Pornofilmregisseur Alan Roberts mit den Dreharbeiten. Die Nebel um das Hassvideo lichten sich: Ein Kopte hat den Mohammed-Streifen offenbar zusammen mit US-Evangelikalen produziert. Muslimische Prediger fordern eine UN-Resolution gegen Blasphemie.

Mohammed

Mohammed (Photo credit: De Raaf foto’s)

Immer mehr Informatiionen über die Entstehung des islamfeindlichen Films „Unschuld der Muslime“, der seit Tagen in der muslimischen Welt für gewaltsame Proteste sorgt, gelangen an die Öffentlichkeit. Der Amateurfilm, der den Propheten Mohammed verunglimpft und die Muslime als unmoralisch und gewalttätig darstellt, wurde offenbar im vergangenen Jahr von einem koptischen Christen gemeinsam mit einer rechten evangelikalen Gruppe produziert. US-Medien zufolge leitete ein Porno-Regisseur die Dreharbeiten in Duarte bei Los Angeles.

Als Schlüsselfigur erscheint bisher Nakoula Basseley Nakoula. Der 55jährige Kopte, der nach Beginn der Proteste vor knapp einer Woche im Wall Street Journal den Islam als „Krebs“ beschimpfte, steckt nach Angaben von US-Medien hinter dem Pseudonym „Sam Bacile“.

Nakoula gab später zu, den 14minütigen Trailer des Films ins Internet geladen zu haben. Zudem kündigte der in den USA lebende Ägypter an, den gesamten rund zweistündigen Film verbreiten zu wollen.

Nakoula wurde am Samstag kurz von der US-Justiz vernommen. Gekleidet mit einem weiten Mantel und versteckt unter Hut, Schal und Brille verließ er sein Haus in Cerritos bei Los Angeles.

Ein Polizeisprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP später, der 55jährige sei zu möglichen Verstößen gegen seine Bewährungsauflagen vernommen worden.

Nakoula Basseley Nakoula war 2010 wegen Bankenbetrugs verurteilt worden und darf fünf Jahre lang weder Computer noch Internet benutzen.

Schauspieler geben sich ahnungslos

Kaufmann's Los Angeles Times building

Kaufmann’s Los Angeles Times building (Photo credit: Wikipedia)

Neben Nakoula Basseley Nakoula soll auch die Organisation Media for Christ an der Produktion des Films beteiligt gewesen sein. Der Gruppe gehören islamfeindliche evangelikale Christen wie der Pastor Terry Jones in Florida an, der wegen der Verbrennung des Korans zu Bekanntheit gelangt war.

Nach Angaben des Klatsch-Magazins Gawker wurde der Film von dem 65jährigen Regisseur Alan Roberts gedreht, der bisher vor allem Porno- und Actionfilme machte.

Nach Darstellung von Schauspielern des Low-Budget-Films, die Gawker interviewte, wußten sie nicht, daß der Streifen das Leben des Propheten Mohammed thematisiert.

Demnach wurde der Film nach dem Dreh neu synchronisiert. Medienberichten zufolge arbeiteten neben Nakoula und Roberts auch die beiden radikalen Christen Steve Klein und Joseph Nassralla, der einer christlichen Hilfsorganisation in Duarte vorsteht, an dem Film mit.

Die Los Angeles Times berichtete am Sonntag, Nakoula, Klein und Nassralla seien alle von dem aus Ägypten stammenden koptischen Prediger Zakaria Botros Henein beeinflußt, der für seine Hetze gegen den Islam bekannt sei. Demnach predigt Botros, daß der Prophet Mohammed ein Homosexueller und Kinderschänder gewesen sei. Alle drei Männer äußerten sich dem Bericht zufolge lobend über den Prediger, der im Süden Kaliforniens lebt.

Seit Beginn der Unruhen wurden 15 Menschen getötet

Seal of Los Angeles, California. On March 27, ...

Seal of Los Angeles, California. On March 27, 1905 Ordinance 10,834 authorized and described the City Seal still being used today http://cityclerk.lacity.org/cps/pdf/cityseals.pdf. (Photo credit: Wikipedia)

Botros war am Sonntag zunächst nicht erreichbar, doch auf seinem Fernsehsender Alfady verteidigte er den Film. Nach Angaben der Los Angeles Times wurde Botros in Ägypten wegen der versuchten Missionierung von Muslimen mehrfach inhaftiert und schließlich ins Exil gezwungen. Demnach lebte er zunächst in Australien, bevor er Anfang der 2000er nach Kalifornien kam.

Angeblich setzte das Terrornetzwerk al Kaida ein Kopfgeld von 60 Millionen Dollar auf Botros aus.

Bereits seit Juli 2012 war der 14minütige Streifen, der jetzt die muslimische Welt so sehr in Aufruhr versetzt, bei Youtube zu sehen, ohne daß dies groß bemerkt worden wäre.

Dann griff der ägyptische Islamistensender al Nas das Video auf.

Der unter muslimischen Fundamentalisten beliebte Satellitensender diskutiert regelmäßig aktuelle politische Themen und lädt seine Zuschauer zu Koran-Rezitationswettbewerben ein.

In einer Talkshow zeigte Prediger Scheich Khaled Abdallah jüngst einige Ausschnitte aus dem Video:

  • Mohammed, der einen Esel zum ersten muslimischen Tier erklärt oder
  • Mohammed, der den Mißbrauch von Kindern zulässt.
  • Kam eine Frau in dem Film vor, wurde sie von Al Nas gepixelt – und war so nur noch unter einem Grauschleier zu erkennen.
  • In der Sendung von Scheich Khaled Abdallah erfuhren die Zuschauer auch, daß ein Kopte diesen Film produziert haben soll.

„Die Wut hat den Verstand besiegt“

Seit Beginn der Proteste wurden in Libyen, Tunesien, dem Jemen, dem Sudan und anderen Ländern mindestens 15 Menschen getötet, darunter der US-Botschafter in Libyen und drei seiner Mitarbeiter. Die US-Regierung hat den Film verurteilt, doch jedes Vorgehen dagegen ausgeschlossen.

Laut der US-Verfassung fällt auch beleidigende Kritik unter Meinungsfreiheit.

Merkel (right) as deputy government spokespers...

Merkel (right) as deputy government spokesperson together with Lothar de Maizière, August 1990 (Photo credit: Wikipedia)

Nach der Gewalt kamen die Mahner. „Die Wut hat den Verstand besiegt“, schreibt die ägyptische Zeitung Al Shorouk zu den blutigen Protesten in der islamischen Welt gegen den amateurhaften Schmähfilm. Aus Saudi-Arabien meldete sich der Vorsitzende des Obersten Rates der Religionsgelehrten und Groß-Mufti zu Wort.

Wer seinem Zorn nachgebe, mache sich letztlich nur zum Erfüllungsgehilfen der Urheber des Hassvideos, erklärte Scheich Abdulasis bin Abdullah al Scheich.

Der einflußreiche Großscheich der Al Ashar Universität, Ahmed al Tajeb, mahnte seine muslimischen Glaubensbrüder nun ebenfalls zur Ruhe.

Und forderte – um solche Ausschreitungen künftig zu verhindern – eine UN-Resolution, die Blasphemie ächtet. Laut Al-Masry Al-Youm argumentierte er, daß schließlich auch der Antisemitismus von den Vereinten Nationen stets verurteilt werde.

Die al-Ashar gilt im sunnitischen Islam bei Rechtsfragen als die höchste Instanz.

Das von Haß geprägte und auf Youtube ausschnittsweise veröffentlichte Video hatte in zahlreichen muslimischen Ländern antiwestliche Massenproteste entfacht, die weiterhin anhalten.

English: Original caption: "Kabul is serv...

English: Original caption: „Kabul is served by an up-to-date transportation system.“ (Photo credit: Wikipedia)

In Kabul riß ein islamistischer Attentäter am Morgen zwölf Menschen mit in den Tod. Hierzuland befürchten Politiker ebenfalls Unruhen und wollen deshalb verhindern, dass der Film – wie von der rechtspopulistischen Splitterpartei Pro Deutschland geplant – öffentlich in einem Berliner Kino gezeigt wird. Das Bundesinnenministerium klärt derzeit die rechtliche Handhabe.

Keine freie Meinungsäußerung mehr

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt wandte sich gegen ein Aufführungsverbot.

„Das Video ist es nicht wert, daß wir das Recht auf freie Meinungsäußerung kaputtmachen“, sagte sie der Thüringer Allgemeine. „Ein Verbot würde nur die, die diesen Schwachsinn zu verantworten haben, zu Opfern stilisieren.“

Die Bundestags-Vizepräsidentin bezeichnete das Video als „unsagbar dämlich“ und „diffamierend“.

Von freier Meinungsäußerung könne keine Rede mehr sein, sagte dagegen der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, der Berliner Tageszeitung taz. Das Video sei eine „tiefgreifende Beleidigung“.

Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, plädierte für ein Verbot.

„Wir laufen (…) Gefahr, daß der öffentliche Frieden hier empfindlich gestört wird“, sagte er in den ARD-Tagesthemen des Holocaustleugners Tom Buhrow. Daher sollten alle rechtlichen Mittel ausgeschöpft werden.

„Tabuisierung der Inhalte richtet Schaden an“

One of the few new, modern buildings in the city.

One of the few new, modern buildings in the city. (Photo credit: Wikipedia)

Anders die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Lamya Kaddor. Sie spricht sich gegen ein Aufführungsverbot aus.

„Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an“, warnte sie in der taz. Diskussionen über Verbote und Sonderregelungen für Muslime würden Islamfeindlichkeit in Deutschland schüren.

Auch der Islamexperte Rauf Ceylan hält ein Aufführungsverbot des Schmähvideos in Deutschland für überzogen.

„Damit würde man den Film wichtiger machen, als er ist“, sagte der Religionswissenschaftler an der Universität Osnabrück der Saarbrücker Zeitung.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) hatte am Montag dafür plädiert, eine Aufführung des Films, der den Propheten Mohammed verunglimpft, mit allen rechtlich zulässigen Mitteln zu unterbinden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) rieten dazu, ein Verbot zu prüfen. Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte die Gruppe Pro Deutschland in der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) auf, das Video auf ihrer Seite nicht online stehen zu stellen und ihre Pläne für eine öffentliche Vorführung fallen zu lassen.

Fatwa zur Tötung der Videomacher

Signature of Angela Merkel.

Signature of Angela Merkel. (Photo credit: Wikipedia)

Ägypten hat ein salafistischer Imam eine Fatwa zur Tötung aller Beteiligten an dem in den USA produzierten Anti-Islam-Film erlassen. Wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE am Montag (Ortszeit) mitteilte, rief Ahmed Fuad Aschusch die „jungen Muslime in den USA und in Europa“ in seinem religiösen Gutachten auf, die Macher und Schauspieler des Films sowie alle, die zu seiner Verbreitung beitrugen, wegen Verunglimpfung des Propheten Mohammed umzubringen. Die Fatwa wurde SITE zufolge auf mehreren dschihadistischen Foren im Internet veröffentlicht.

Tote bei „Vergeltungsschlag“ in Kabul

A view of the downtown area of Kabul in March ...

A view of the downtown area of Kabul in March 2004. (Photo credit: Wikipedia)

Bei einem Vergeltungsanschlag wegen des islamfeindlichen Schmähvideos hat unterdessen ein Selbstmordattentäter in Kabul neun Ausländer und drei Afghanen mit in den Tod gerissen. Der Angreifer habe sich am Dienstagmorgen in seinem Wagen neben einem Minibus in die Luft gesprengt, teilte die Polizei in der afghanischen Hauptstadt mit. In dem Kleinbus seien ausländische Mitarbeiter einer Firma auf dem Weg zum Flughafen gewesen. Zwei Angehörige der Sicherheitskräfte seien verletzt worden. Über die Nationalität der getöteten Ausländer war zunächst nichts bekannt. Bei den getöteten Afghanen handelte es sich laut Polizei um Zivilisten.

Die radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstraße.

HIG-Sprecher Subair Seddiki sagte in einem Telefongespräch, es habe sich um einen Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Mohammed-Video gehandelt. Die Attentäterin sei eine 20 Jahre alte Frau namens Fatima aus Kabul gewesen.

Female students of Afghanistan chat outside Ka...

Female students of Afghanistan chat outside Kabul Medical University in 2006. (Photo credit: Wikipedia)

Eine Antwort to “Radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) übernahm die Verantwortung für den Anschlag auf der Flughafenstraße”

  1. Karl Dönitz - wir machen weiter 18. September 2012 um 08:41 #

    Reblogged this on alexanderplatz 1 berlin – wir sehen uns.

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